Marvin
Systermans



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︎︎︎Melancholia II.

Eine Grenzerfahrung        Wann immer eine scheinbar fest etablierte Struktur derart gestört wird, dass das ihr zugrunde liegende Konzept nicht mehr funktioniert, – oder zumindest hinterfragt und korrigiert werden muss – sprechen wir von einer Krise. Eine solche Störung fester Strukturen unseres Denkens, Umfelds oder Handelns, erleben wir alle früher oder später im Laufe unseres Lebens. Schon die Pubertät kann als eine solche Krise bezeichnet werden, zwingt sie uns doch dazu unser zuvor noch kindliches Weltbild grundsätzlich zu hinterfragen. Nicht selten entsteht in den Pubertierenden der Wunsch auch äußerlich mit Strukturen zu brechen, aufzubegehren, zu rebellieren. Manche Krisen entstehen durch abrupte Veränderungen und traumatische Erfahrungen, oder einen ganz offensichtlichen Missstand. Andere bahnen sich unbemerkt über einen längeren Zeitraum an, beispielsweise durch eine kontinuierlich hohe psychische oder physische Belastung die scheinbar plötzlich zu einem Zusammenbruch führt. Jede Person, Freunde, Familie oder Bekannte, die mir in den letzten Jahren von ihren Erfahrungen mit depressiven Episoden berichtet haben, hat etwas anderes erlebt, etwas anderes gespürt. Manche Symptome tauchen wiederholt in ihren Beschreibungen auf, wie beispielsweise die enorme Anstrengung, die es erfordert um sich in Gesellschaft anderer „normal“ zu verhalten und einen Anschein von „Normalität“ zu bewahren, ein starkes Gefühl innerer Leere, Gedanken, die um zermürbende Glaubenssätze kreisen.

Meine persönliche Auseinandersetzung mit der Melancholie begann mit der Aufarbeitung einer Krise, die ich während meines Studiums erlebte. Dass ich damals Hilfe brauchte wurde mir zum ersten Mal bewusst, als ich eines Abends bei Freunden zu Besuch war. Um einen großen Tisch in der Wohnküche hatten sich mehrere Personen versammelt von denen ich nur die Hälfte kannte. Alle waren mit ihren Sitznachbar*innen in Gespräche vertieft, der Raum war erfüllt von ihrem Stimmengewirr. Kein ungewöhnlicher Abend während dem Studium. Schon seit geraumer Zeit hatte ich mich ungewöhnlich schwermütiggefühlt, hatte mich komplett zurück gezogen und wäre am liebsten auch an diesem Abend zuhause geblieben. Gedankenverloren saß ich inmitten der sich angeregt unterhaltenden Menschen. Meine Schweigsamkeit führte dazu, dass sich meine Sitznachbar*innen nach einer Weile, ins Gespräch vertieft, von mir abwendeten. Ich hätte den Platz wechseln, oder etwas sagen können um auf mich aufmerksam zu machen. In diesem Moment fehlte mir dazu die Kraft. Ich weiß nicht, wie lange ich damals schon unbewusst gegen meine erstarkende Depression ankämpfte, dieser Abend ist mir jedoch besonders in Erinnerung geblieben. Es war das erste Mal, dass ich sie derart physisch erlebte. Was ich genau fühlte ist für mich noch heute schwierig in Worte zu fassen, erst später verstand ich, dass ich eine Panikattacke erlebt hatte. Gefühle von Einsamkeit und Isolation hatte ich schon vorher empfunden, an diesem Abend aber wurde die Distanz, die ich zu den anderen Personen empfand räumlich spürbar. Es begann kaum merklich. Mir war, als würde ich auf Schienen sitzend langsam von der Gruppe weggleiten. Ich entfernte mich nicht nur von den Anderen, sondern hatte gleichzeitig das Gefühl langsam zu stürzen. Ich betrachtete erschrocken die erleuchteten Gesichter und spürte wie Panik in mir aufwallte. Ich bemühte mich, mir nichts anmerken zu lassen, zog mein Handy hervor um beschäftigt zu wirken. Mir war schwindelig und ich schaffte es erst nach einer Weile aufzustehen und mich in den Flur zurückzuziehen. Wenn jemand gefragt hätte, ich wäre nicht imstande gewesen zu erklären was passiert war. An die Wand gelehnt versuchte mich zu beruhigen.
Ich empfand Beklemmung, als sei der Raum zu klein, meine Kleidung zu schwer, in mir selbst kein Platz für die Unruhe, die ich spürte. Als hätte das Licht am Tisch meine düsteren Gedanken noch in Schach gehalten, hüllten sie mich jetzt vollkommen ein. Schon seit einiger Zeit hatte ich immer wieder Episoden erlebt, in denen es mir so vorkam, als sei meine Wahrnehmung ihrer Emotionalität beraubt worden. Ich war dann nicht etwa traurig oder schwermütig – Emotionen sind oft auch befreiend – es fühlte sich eher wie Taubheit an, in der die Umwelt ihrer wärmenden, selbstverständlichen Vitalität beraubt ist und alles schwerer wiegt als gewöhnlich. Ich hatte das lange auf den Stress geschoben den ich wie jeder andere auch im Studium erlebte, die Episoden als Symptome von Erschöpfung gedeutet, die nach etwas Schlaf und Ablenkung wieder verschwinden würden.
An diesem Abend wurde mir klar, dass diese auffällig schwermütige Stimmung keine Laune gewesen war, dass mich in diesem Moment etwas ganz wesentliches von den anderen Gästen in der Küche unterschied. Ihr Lachen war nicht schriller, ihre Themen nicht belangloser und ihr Interesse nicht weniger aufrichtig als sonst. Ich war derjenige, der den Anschluss verloren hatte, für den die Lichter auf der Tanzfläche angegangen waren und ich sah den schmuddeligen Raum, die Flecken auf der Kleidung der anderen Gäste.

Heute weiß ich, dass ich nicht der einzige war, der während des Studiums ähnliches erlebte, auch wenn es mir nur selten an jemand anderem aufgefallen ist. Meine Depression habe ich als einen einsamen Ort erlebt, an dem ich häufig nur mich selbst wahrnahm, in meiner Ohnmacht und Einsamkeit und Unfähigkeit all das zu kommunizieren.  Alleine im Flur beruhigte ich mich endlich. Ich zog Jacke und Schuhe an und verließ ohne mich zu verabschieden die Wohnung, erschöpft und ratlos.
Depression      Wie erklärt man jemandem wie es sich anfühlt eine Depression zu haben? Schwere, Dunkelheit, Isolation, das Gefühl der Machtlosigkeit und Ohnmacht, die nicht nachvollziehbar sind, für jemanden, der selbst nie etwas vergleichbares erlebt hat: Die Macht der Gedanken.

Während seines Vortrags „Depression, the secret that we share“ bei TEDxMet, bemühte sich Andrew Solomon dem Publikum genau dies zu vermitteln, er sagte dazu: „Während der Depression merkt man nicht, dass man einen grauen Schleier angelegt hat und die Welt durch diesen Schleier von schlechter Laune sieht. Man denkt, dass ein Schleier entfernt wurde, der Schleier des Glücks, und dass man jetzt erst richtig sieht. (…)“ 13 Eine Depression zu erleben bedeutet, dass sich die gesamte Wahrnehmung mit einer solchen Kraft verändert, dass sie alles Denken und Fühlen vereinnahmt. Die erdrückenden Gefühle werden körperlich spürbar, weshalb sie auch häufig so beschrieben werden: das Versinken in Dunkelheit, Bewegungslosigkeit, Lähmung und Antriebslosigkeit. Solomon fährt fort: „Das Gegenteil von Depressionen ist nicht Glück, sondern Vitalität.“ 13 Um den Begriff „Depression“ zu erklären, ist es ebenso wichtig über die psychologischen Aspekte und Ursachen zu sprechen, wie auch über das Erleben selbst. Denn nur dann wird nachvollziehbar, wie unterschiedlich Depressionen sein können und wie gleichsam übermächtig sie sind. Die Komplexität und Verschiedenartigkeit dieser Krankheit ist der Grund dafür, dass ihre Symptome auch in vielen Beschreibungen der Melancholie auftauchen und die Grenzen zwischen pathologischem Zustand und Stimmung oder Emotion auch heute zum Teil noch stark verschwimmen.

In der Bemühung ein konkretes Schema zu finden, nach dem eine Depression diagnostiziert werden kann, veröffentlichte die American Psychiatric Association in der vierten Ausgabe des „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-4) eine Reihe von Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit eine Depression diagnostiziert werden kann. Unterschieden wird grob zwischen einer schweren, einer Major Depression und einer leichteren aber dennoch chronischen Depression, einer sogenannten Dysthymie. Zwischen diesen gibt es allerdings keine klare Grenze. Für eine leichte Depression müssen in diesem System vier Symptome nachgewiesen werden, für eine mittlere sechs und für eine schwere mindestens acht. Diese Symptome sind (in ihrer Ausprägung bei einer schweren Depression): eine „depressive Verstimmung über fast den ganzen Tag, Verminderung von Interesse oder Freude, deutliche Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf, psychomotorische Unruhe, Müdigkeit, Wertlosigkeits- oder Schuldgefühle, Denk- oder Konzentrationsunfähigkeit, Gedanken an Tod oder Selbstmord“. 14 Dieser Versuch einer Bestimmung der konkreten Symptome zeigt bereits, wie schwierig es ist festzulegen, wo eine Depression beginnt und endet, und ab wann sie im Verlauf einer Therapie tatsächlich überwunden wurde; zumal depressive Veranlagungen bei Menschen häufig dazu führen, dass sie auch nach einem für sie erfolgreichen Abschluss einer Therapie Jahre später wieder depressive Episoden erleben können.  Neben der Unterscheidung zwischen einer Major Depression und einer Dysthymie gibt es noch weitere Unterscheidungen, wie zum Beispiel die zwischen einer endogenen Depression (von innen kommend), bei der es keine äußerlichen körperlichen oder psychischen Ursachen zu geben scheint, und einer somatogenen Depression, die auf eine körperliche Erkrankung zurück zu führen ist (von außen kommend). Außerdem gilt es zwischen einer unipolaren und einer bipolaren Depression zu unterscheiden, bei Letzterer wechseln sich die depressiven Phasen mit manischen Phasen ab. Ich werde im folgenden nicht auf die einzelnen Arten von Depressionen eingehen können, da dies den Rahmen meiner Auseinandersetzung sprengen würde.  Unzählige Autor*innen haben schon nach Worten gesucht um den selbst erlebten depressiven Zustand zu beschreiben. Julia Kristeva stellt in ihrem Buch „Schwarze Sonne“ einen Zusammenhang zwischen der Sprache und dem inneren Sinnverlust her, der besonders charakteristisch selbst für unterschiedlich erlebte Depressionen ist. „Der spektakuläre Zusammenbruch des Sinns beim Depressiven – und im äußersten Fall: seines Lebenssinns – lässt uns davon ausgehen, dass er Schwierigkeiten hat, die universelle Signifikantenkette, die Sprache, zu integrieren. Im Idealfall verschmilzt das sprachfähige Wesen mit seiner Rede: ist Sprechen nicht unsere ‚zweite Natur‘? Dagegen mutet den Depressiven sein Sprechen wie eine fremde Haut an: Der Melancholiker ist ein fremder in seiner Muttersprache.“ 15 Julia Kristeva zitiert hierzu die Aussage einer Patientin, die über ihre Selbstwahrnehmung spricht: „ ,Ich rede‘ sagte sie häufig, ‚wie am Rande der Worte, und ich habe das Gefühl, am Rand meiner Haut zu sein, der Grund meines Kummers aber bleibt unberührt.‘ “ 15 Diese Beschreibung erinnerte mich stark an das zuvor beschriebene, häufig vorkommende Symptom der Schwierigkeit und des großen Kraft-Aufwands die damit verbunden sind soziale Interaktionen „normal“ zu führen.

Unsere Gedanken haben eine unvorstellbare Macht, denn in ihnen manifestieren sich unsere Glaubenssätze, die formulierbaren Parameter, nach denen wir uns selbst und unsere Umwelt bewerten. Im gesunden Zustand können wir unsere Gedanken unser Welt- und Selbstbild immer wieder mit rationalen Beobachtungen abgleichen um sie subjektiv auf ihre Gültigkeit zu überprüfen. Der Gedanke „Ich kann das nicht.“ wird dann mit den tatsächlichen Umständen verglichen: „was ist notwendig um es zu schaffen?“, „Verfüge ich über diese Eigenschaften?“, „Gibt es eine Alternative?“, „Lohnt es sich es zu versuchen?“. In der Depression wird der gleiche Zweifel zu einer Art übermächtigem Gesetz, einer unverrückbaren Tatsache, – „Ich kann das kann nicht!“ – die durch jede neue Erfahrung von „Scheitern“ noch genährt wird; beziehungsweise jede Handlung von vorneherein verhindert. In der Depression ist der Weg versperrt, der in der Melancholie zur erlösendenErkenntnis und Inspiration führen kann; ähnlich dem Verhältnis zwischen Zweifel und Verzweiflung wie eingangs beschrieben. Zweifel, Reflexion, kritisches Hinterfragen geraten in einen Teufelskreis, jeder Gedanke führt wieder zu seinem eigenen Anfang zurück, oder noch tiefer hinab.
Zusammenfassend kann man festhalten, dass es sich bei einer Depression um eine psychische Störung bzw. Erkrankung handelt, bei der die betroffene Person ihre Vitalität verliert, Gedanken ins Stocken geraten und eine radikale Veränderung der Selbst- und Außenwahrnehmung stattfindet; die mentalen Symptome haben dabei direkte Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit. Prof. Dr. Martin Hautzinger beschreibt als Ursache für jede Entwicklung einer Depression eine kognitive Störung, die zu kategorischem, wertendem, eindimensionalem Denken führt. Dieses ist auch durch logische Fehler gekennzeichnet, die dem Depressiven allerdings nicht auffallen. Er erlebt die meist eindimensional auf sein eigenes Versagen gerichteten Gedanken als plausibel und logisch, wenn auch belastend und unerwünscht. Auslöser für solche kognitiven Störungen sind in der Regel – laut Hautzinger – negative, traumatisierende, stressige, einmalige oder sich wiederholende Erfahrungen. 16
Er weist außerdem darauf hin, dass bereits im Voraus bestimmte Merkmale im Verhalten einer Person auf die Entwicklung einer Depression hindeuten können: „Es wird davon ausgegangen, dass depressive Patient*innen Probleme damit haben, negative Emotionen zu regulieren, und diese Defizite bereits vor der Entwicklung der Depression nachweisbar sind, (Maughan et al., 2007; Kovacs et al., 2008). Depressive Patienten wenden gehäuft Grübeln (Rumination) als Antwort auf und Regulation von (negativen) Emotionen an. (...) Befunde zeigen ferner, dass depressive Personen Emotionen häufig unterdrücken (Suppression) und dass Personen, die in einer Stressphase Unterdrückung als Emotionsregulation zeigen, ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Depression in den folgenden Monaten aufweisen.“ 17 Es spielen also sowohl Gedanken eine Rolle, die sich nicht mehr regulieren lassen, als auch Emotionen, die unterdrückt oder blockiert und nicht richtig verarbeitet werden. Wie aber entsteht eine so gravierende und existenzielle Störung unserer Wahrnehmung, unserer Emotionen und Denkprozesse?

Klaus Dörner, Ursula Plog, Christine Teller und Frank Wendt beschreiben als mögliche „Auslöser für die Manifestierung einer – je nach Energie und anderer biologischer Mitgift – psychotischen oder neurotischen Depression (...) (den) Verlust eines wichtigen Menschen, eine Geburt, eine Krankheit, die Summe aus vielen kleinen Kränkungen, besonders gern aber auch eine entlastende Situation, z.B. die Fertigstellung des eigenen Hausbaus.“ 18 Die Faktoren also, die eine depressive Phase auslösen sind demnach häufig auf den ersten Blick alltäglich wirkende Ereignisse, von denen jeder Mensch im Laufe seines Lebens zwangsweise eines oder mehrere erleben wird. Interessant bleibt die Frage, wie es kommt, dass diese und ähnliche Ursachen nur bei manchen Menschen eine Depression auslösen. Auf der Suche nach den Gründen für den Ausbruch einer Depression ist es mitunter aufschlussreich in die Vergangenheit der betroffenen Person zu schauen. Die meisten Depressionen lassen sich vermutlich nicht auf einen einzigen Ursprung zurückführen, sie werden durch verschiedene Faktoren begünstigt. In Martin Hautzingers Beschreibung wird ebenfalls deutlich, dass es schwierig ist eine klare Antwort auf die Frage nach der einen Ursache für das Ausbrechen einer Depression zu finden. „Die Ursachen einer aktuellen, akuten Depression eines konkreten Patienten sind angesichts der Komplexität der möglichen Einfluss-, Risiko- und Entwicklungsfaktoren kaum zweifelsfrei zu klären (Hautzinger, 2006, 2010; Brakemeier et al., 2012). Die Experten stimmen heute darin überein, dass genetische, neuromodulatorische, endokrine, physikalische, neurobiologische, lern- lebensgeschichtliche, traumatisierende, kognitive, emotionale, interaktionale, soziale, kulturelle und ökonomische Faktoren auf distaler und proximaler Ebene miteinander interagieren und sich in beeinträchtigten Hirnfunktionen und dysfuntionalem Hirnstoffwechsel zeigen und darüber die Depression entsteht.“ 19 Als Risikofaktoren führt Hautzinger unter anderem folgende auf: „Prädisponierende Faktoren“ wie Arbeitslosigkeit, niedriger Sozialstatus, Abhängigkeit, Virusinfektion, Immunschwäche, Angst, Persönlichkeitsstörungen, Vererbung einer Veranlagung, Introversion, Rückversicherungstendenz, eine fehlende vertrauensvolle Bezugsperson, fehlende soziale Unterstützung, frühe Traumatisierung (körperlich/sexuell). Diese können zu bestimmten Dysfunktionen führen, und verschiedene Symptome fördern, wie Schlafstörungen, eine stärker ausgeprägte Sensibilität, gesteigerte Selbstaufmerksamkeit, Aufmerksamkeitsstörungen, Negative Selbst- und Fremdrepräsentation, Vermeidung von sozialen Kontakten bzw. Kontakt, Kommunikationsprobleme, Schwierigkeiten beim Lösen und Bewältigen von Problemen. 19

Depression ist ein Thema, das auch heute noch häufig nicht offen angesprochen wird. Dafür gibt es unterschiedlichste Gründe wie zum Beispiel die Unterstellung, einer persönlichen Schwäche oder aber fehlendes Wissen darüber. Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist für unsere Gesellschaft existenziell wichtig, gerade weil heute besonders viele Menschen davon betroffen sind, viele es aber in ihrem Umfeld nicht kommunizieren können und so die Ursachen, wie soziale Isolation oder Hilflosigkeit angesichts kräftezehrender Ereignisse, noch verschlimmert werden. Daraus entsteht schnell ein Teufelskreis, der die Person immer tiefer in die Depression hinein zieht. Mit Bezug auf das Thema des Melancholie Begriffs scheint es mir nach dieser sehr kurzen und reduzierten Beschreibung der Krankheit Depression deutlich zu sein, dass dieser pathologische Zustand mit all seinen Symptomen nicht der süßen Schwermut entspricht, die in dem Begriff der Melancholie mitklingt, nicht dem zuvor (in Melancholia I) beschriebenen Zweifel, der unser Handeln lenkt. Ich werde nun (in Melancholia III) zurückkehren zur Melancholie die, wenn wir sie außerhalb des Depressionskomplexes verorten anscheinend keine existenziellen Krisen unseres Selbst/Ichs oder unserer Wahrnehmung beschreibt. Schwermut, das Gefühl der schweren Last, die unsere schiere Existenz auf unseren Schultern gelegentlich ist, könnte als Symptom der Melancholie bezeichnet werden, die selbst mehr ist, ganz fundamental und umfassend unser (menschliches) Verhältnis zu unserem Bewusstsein unserer Existenz, der Frage nach deren Sinn und deren Endlichkeit verkörpert.
13 Solomon, Andrew: Depresson, the secret that we share. TEDxMet, 12.2013
14 Vgl. S. 46 f. Wolpert, Lewis: Anatomie der Schwermut. München: C.H.Beck, Erstveröffentlichung 2008. Übers. Sylvia Höfer. 2013. 
15 S. 62 Kristeva, Julia: Schwarze Sonne. Depression und Melancholie.   Frankfurt am Main: Brandes & Apsel, Erstveröffentlichung 1987,  2. Auflage 2007.
16 Vgl. S. 47 f. Prof. Dr. Hautzinger, Martin: Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressiven. Langensalza: Beltz Verlagsgruppe, erste Auflage 1989. - 7. Vollständig überarbeitete Auflage 2013. 
17 S. 51 Vgl. S. 47 f. Prof. Dr. Hautzinger, Martin: Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressiven. Langensalza: Beltz Verlagsgruppe, erste Auflage 1989. - 7. Vollständig überarbeitete Auflage 2013.
18 Vgl. S.198 f. Dörner, Klaus & Plog, Ursula & Teller, Christine & Wendt,  Frank: Irren ist menschlich. Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie.  Köln: Psychiatrie-Verlag, Erstveröffentlichung 2002,  2. korrigierte Auflage, 2004 
19 Vgl. S. 38 ff. Prof. Dr. Hautzinger, Martin: Kognitive Verhaltenstherapie bei  Depressiven. Langensalza: Beltz Verlagsgruppe, erste Auflage 1989. -  7. Vollständig überarbeitete Auflage 2013.